Was brauchen Kinder wirklich?

Obwohl oder gerade weil wir mit einem Überangebot an Nahrungsmittel „gesegnet“ sind, fällt es nicht immer leicht, die richtigen Lebensmittel für uns und unsere Kleinen auszuwählen und so die optimale Grundlage für unsere und die Gesundheit unserer Kinder zu legen.

Welche generellen Empfehlungen würden Sie Müttern für eine kindgerechte Ernährung geben?

Abwechslungsreiche Mischkost ist wichtig, da eine einseitige Ernährungsweise, wie zum Beispiel eine Kost mit viel Fleisch, Wurst und Käse oder eine Ernährung mit überwiegend Süßigkeiten und Weißmehlprodukten auf Dauer leicht zu einer Fehlernährung führen kann. Es besteht die Gefahr einer unzureichenden Versorgung mit einzelnen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bei gleichzeitigem Überfluss an Energie und damit verbunden einer Gewichtszunahme.

Sollten Milch- und Milchprodukte ein Bestandteil in der kindlichen Ernährung sein?

Die Bedeutung von Milch und Milchprodukten in der Kinderernährung ist unumstritten. Im ersten Lebensjahr bilden Muttermilch bzw. Säuglingsmilch die Basis einer ausgewogenen Ernährung. Ab dem zweiten Lebensjahr ist das Kind bereit, am Familientisch mitzuessen. Milchprodukte sollten dabei ein fixer Bestandteil der täglichen Ernährung bleiben, denn Milch ist ein wesentlicher Lieferant für verschiedenste Nährstoffe, die gerade im Wachstum von Kindern unentbehrlich sind: Der Aufbau gesunder Knochen und Zähne kann durch Milchkonsum verbessert werden. Milch enthält reichlich Kalzium, hochwertiges Eiweiß, leicht verdauliches Fett und für den Körper gut verwertbare Kohlenhydrate in Form von Milchzucker. Es ist wünschenswert, dass Kinder jeden Tag Milch und Milchprodukte konsumieren. Die große Vielfalt an Produkten (Trinkmilch, Butter- oder Sauermilch, Joghurt, Topfen, Käse u. v. m.) bringt Abwechslung in den täglichen Speiseplan. Zudem werden Milch und Milchprodukte von fast allen Kindern gern gegessen.

Spielt die Ernährung im Kindesalter schon eine tragende Rolle?

Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass eine gute Ernährungserziehung im Kleinkindalter für die Prävention chronischer Erkrankungen, wie z. B. Übergewicht oder Diabetes, von großer Bedeutung ist, da sich in dieser Lebensphase Verhaltensweisen manifestieren, welche später vielfach nur schwer veränderbar sind. Kinder sollten daher die Möglichkeit haben, eine breite Vielfalt an Lebensmitteln und Speisen auszuprobieren. Eine spezielle Rolle spielt dabei auch die Vorbildwirkung von Familie, Kindergarten und Schule: Wenn das Kind schon früh von seiner Umgebung für gesunde Ernährung sensibilisiert wird, empfindet es diese als alltäglich.

Würden Sie Kindern die gleichen Speisen anbieten, welche auch Erwachsene auf den Tisch bekommen?

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, daher sollte das Essen kindgerecht zubereitet und angerichtet werden. Damit Kinder den ursprünglichen Geschmack und Geruch unserer Lebensmittel kennenlernen können, ist die sparsame Verwendung von Salz, Zucker und Gewürzen wichtig. Kinder lieben es bunt und phantasievoll! Saisonales und regionales Obst und Gemüse als „Finger Food“, „Radieschenmaus“ oder „Gurkenschlange“ verführt jeden Gemüsemuffel zum Genuss.

Interview mit Ass. Prof. Dr. Petra Rust
Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien

Wie könnte man die Ernährungsweise von Kindern beeinflussen?

Die Kindheit ist eine ganz wesentliche Phase in unserer Entwicklung, da in dieser Zeit Ernährungsgewohnheiten und Präferenzen geprägt werden. Daher ist es wesentlich, im sozialen Umfeld der Kinder anzusetzen. Personen, die mit Kindern arbeiten, wie z. B. Kindergärtner oder Lehrer, sollten verstärkt durch Ernährungswissenschafter und Ärzte als wichtige Multiplikatoren regelmäßig informiert und geschult werden.

Wie sehen die derzeitigen Ernährungsgewohnheiten von Kindern in Österreich aus?

Am Institut für Ernährungswissenschaften in Wien werden in regelmäßigen Abständen Befragungen unter Kindern verschiedener Altersklassen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass der Konsum mancher tierischer Lebensmittel (Fleisch/Wurst) denjenigen der pflanzlichen (Gemüse, Getreideprodukte) übersteigt. Dies bedingt eine geringe Zufuhr an Folsäure sowie anderen B-Vitaminen, Vitamin D, Kalzium, Kalium und Zink. Eine Steigerung des Verzehrs von Gemüse, Getreideprodukten, Milch und Milchprodukten sowie Fisch könnte diese Defizite einfach und wohlschmeckend ausgleichen.

Welche Probleme in Punkto Ernährung sehen Sie in Zukunft und wie könnte man hier entgegensteuern?

Um den wachsenden Gewichtsproblemen – sowohl Übergewicht als auch Untergewicht – entgegenzuwirken, sollten Eltern und Kinder in ihrer täglichen Lebensmittelauswahl unterstützt werden. Die Lebensmittelindustrie könnte durch ein dem Bedarf der Zielgruppe angepasstes Produktsortiment die richtige Wahl im Supermarkt erleichtern.